Laufbericht: Berlin Marathon, 20.09.2008

 

Der Saarländische Berlin Marathon 2009

von Christof Stolp

Dieter fragte mich am letzten Samstag bei unserer Krefelder-Rhein-Laufrunde wann wir in Berlin zum Marathon waren. Ich sagte ihm, dass der Marathon erst vor 3 Wochen war. Einen Tag später, am Sonntag, waren meine Frau und ich bei Onkel Leo im Seniorenheim. Leo ist an den Rollstuhl gebunden und schläft beim Gespräch immer wieder ein. Er fragte mich auch nach dem Marathon, und hier hatte ich das Gefühl, dass der Lauf schon vor einer Ewigkeit von 3 Wochen war. Am vergangenen Sonntag habe ich gespürt, welch ein Geschenk die Teilnahme an solch einer Veranstaltung ist.

Wir sind mit 5 Läufern am 18.09.09 von Krefeld aus gestartet um der Hauptstadt zu zeigen, welch eine Laufkompetenz am linken Niederrhein steckt. Darauf hat doch Berlin gewartet. Die Stimmung im Bully von Edmund war prima und wir erreichten pünktlich die Laufmesse in Tempelhof. 40.000 Marathonies und ca. 10.000 sonstige Biker, Blader etc. holen ihre Startnummern ab. Der Unterschied zu den Rheinterrassen ist auch uns Niederrheinern aufgefallen. Anschließend quartierten wir uns in der internationalen Jugendherberge in Berlin-Mitte ein.

 


Der Samstag bot schon den ersten Höhepunkt: Der Frühstückslauf, unterstützt von den Sponsoren: Ein lockerer 6 km Lauf vom Schloss Belvue zum Olympiastadion. Toll Stimmung, obwohl wir kein Früstückslauf-Finisher-Tshirt trugen, mit einem sehr eindrucksvollen Einlauf im Olympiastadion. Dort, wo Mr. Bolt 3 Wochen zuvor auf der blauen Tartanbahn den Weltrekord einhämmerte, durften wir Niederrheiner nun auch finishen! Der Rest vom Samstag kam mir nicht als Geschenk vor. Suchte jeder der Mitläufer eine Ausrede, falls es beim Marathon nicht klappt?
Sonntag Morgen, ganz Berlin war elektrisiert und alle liefen nervös durch die Herberge, die nun ausschließlich mit Marathonies belegt war. Wie schön, dass im Frühstückssaal der Hagebuttenduft wie in den letzten 100 Jahren eine Beruhigung versprühte. Zum Startbereich waren es nur 700m. Somit mussten wir nicht die ausgefallenen S-Bahnen benutzen.
Zum Startblock kamen wir aber trotzdem nicht rechtzeitig. 40.000 Läufer wollen in den letzten 10 Minuten in ihren Block und mit ein wenig erhöhten Sicherheitsauflagen gerät hier alles außer Kontrolle. Als der Start pünktlich um 9 Uhr erfolgte, kletterten wir über den letzten Zaun und ordneten uns in den überfüllten Startblock ein. Die Perspektive und Lautstärke war eindrucksvoll, wirklich eindrucksvoll und äußerst eindrucksvoll. 40.000 Menschen die 42 km wirklich laufen wollen. Keine Halbmarathonies und keine Staffeln, nur 40.000 Marathonies!
Statt wie in Düsseldorf Richtung Messe ging es auf den ersten Kilometern um die Siegessäule. Wir wollten linksrum laufen, mussten aber schon nach 10 Minuten die ersten Planungen über Bord werfen. Dort wo wir im Pulk waren, mussten wir entlanglaufen. Und wenn spätestens nach 4 km in Düsseldorf sich der Pulk auflöst, bleibt er in Berlin zusammen. Wir sind knapp 4 Stunden im engen Pulk gelaufen. Dieses kostete mehr Energie und Konzentration. Da Berlin einen warmen Spätsommertag bot, nahmen wir gerne die Versorgungspunkte an. Obwohl wir im ersten Viertel des Lauffeldes waren und die Versorgungstische sich über Kilometer zogen, wateten wir durch eine Flut von gebrauchten Bechern nur gehend zum Tisch. Mir unvorstellbar, wenn man im letzten Viertel der Laufmassen war. Den Kilometer nach dem Versorgungstisch brauchten wir um uns wieder zu finden. Da wir alle unsere Krabbelgruppen-Kappen trugen, war eine Orientierung möglich.
Dieter hatte im Marathon 58 Bands gezählt, die die Straßen säumten. Dieses war eine sehr eindruckvolle Kulisse. Ja jeder Kilometer bot etwas besonderes neben den vielen Mitläufern. Bei einer Trommelband, die unter einer Brücke platziert war, gab es sogar Warnschilder zur Lautstärke (>120db). Für diese ca. 50 Meter brauchte man keinen Herzschrittmacher. Gänsehaut pur!!!
Berlinmarathon ist wie ein Berlinbesuch – nur mit Schmerzen.
Den Höhepunkt bildet aber der Schluss: km 38: Potsdamer Platz, km 39: Gendarmenmarkt , km 40: Unter den Linden, km 41: Hotel Adlon, km 42: Brandenburger Tor, hier fühlte ich mich als deutscher Läufer vom Niederrhein. Für die letzten 4 km brauchte man keine Kraft mehr, die Glückshormone trugen einen bis in das Ziel und sagten: Runnershigh at its best!
Wir hatten alle unsere (Zeit-)Ziele erreicht, der Lauf war für jeden von uns ein großes Geschenk! Das größte Geschenk war aber das Gruppenerlebnis. Keiner ist ausgestiegen, wir haben als Gruppe den Lauf gefinisht, das ist besser als jede Bestzeit.
Auf der Wiese zwischen Reichstag und Kanzlerinnenamt lagen dann 40.000 Marathonies und genossen den Moment. Statt einer persönlichen Aushändigung von Speisen erhielten wir eine Versorgungstüte. Vielleicht ist es bei der Anzahl von Teilnehmern nicht anders zu organisieren, aber das hat uns enttäuscht. Mit Erdinger Alkoholfrei, was es zum Glück ohne Begrenzung gab, kämpften wir gegen die Krämpfe und für einen guten Handyempfang.
Der kurze Heimweg war nun von großem Vorteil. Die warme Dusche in der Jugendherberge begrüßte uns eindringlich. Wir lernten dabei Finisher kennen die zur After-run-Party zur Landesvertretung des Saarlandes gehen wollten. Da uns auch nach Essen und Trinken war, statt nach Abzappeln, schlugen wir die gleiche Richtung ein.
Auf einer Straße nahe dem Potsdamer Platz, also auch wieder fußläufig zu erreichen, betraten wir die Saarländische Botschaft. Uns beschlich der Eindruck, dass die hier nicht zum ersten Mal feierten. Das Buffet überzeugte mit saarländischen Spezialitäten und das Bier kam vom Fass. Wir fanden eine kleinen Besprechungsraum und die Dame vom Service versorgte uns gleich mit ausreichend Bier. Dieses war der finale und beste Abschluss, den ein Marathontag in Berlin zu bieten hatte. Beim Abschied versprach der Botschafter auch im kommenden Jahr wieder eine Party zu schmeißen und wir werden bei der nächsten Landtagswahl das Saarland wählen!
Am nächsten Tag besichtigten wir noch Potsdam und es war mühselig diese hüglige Landschaft zu erkunden. Ich werde nicht verraten welche Teilnehmer rückwärts die Treppen zum Schloss Sans Souci bestiegen. Am Abend landeten wir wieder in Krefeld und hatten eine tolle Gruppenreise erlebt. 
Und ich freue mich drauf von Onkel Leo zu diesem Erlebnis gefragt zu werden....


Christof Stolp


Links:
http://www.real-berlin-marathon.com

 

 

>> 26.10.2009