Laufbericht: Münster Marathon (14.09.2008)

 

Drei Läufer vom RP-Team sind in Münster am 14.09.08 gestartet. Anbei der Laufbericht von Christoph Stolp, da nicht nur der erste Marathonlauf spannend ist, sondern auch der Zweite!


Laufbericht vom Münstermarathon am 14.09.08

Münster – das ist die Studentenstadt, in der ich auch in den 80er Jahren studierte. Hier bin ich Ingenieur geworden und noch besser: In Münster habe ich meine liebste Frau kennen gelernt. In dieser Stadt soll ich nun meinen zweiten Marathon, nach Düsseldorf, starten? Soll ich es wagen die guten Erinnerungen zu gefährden mit einem Lauf, der einer Schlacht entspricht mit offenen Ausgang?
Aber: no risc no fun – oder : meine Mitläufer aus dem RP-Team haben so penetrant auf dem Termin herumgeritten, dass er mir dann auch passte. Michael war da sehr geschickt: seit fast einem Jahr laufen wir zusammen – das ganze Programm der RP; haben uns Samstage lang über Gott und die Welt unterhalten. Dann höre ich von Susanne, dass sie sich mit Michael in Münster angemeldet hat. Nun sind wir zu dritt vom RP-Team, plus Susannes Schwester und Tochter.
Die Vorbereitung ist etwas unausgereift, da meine Zusage erst 8 Wochen vor dem Start erfolgte. Im Urlaub war ich fleißig, dann aber bin ich nur spontan unter der Woche gelaufen. An den Samstagen war ich aber immer bei den langen Läufen mit der Krefelder oder Viersener Truppe dabei. Zwei Wochen vor dem Start überkommt mich eine Erkältung. Die Woche vor dem Lauf zicke ich herum: Laufen oder auf den Start verzichten. Drei Tage vor dem Start erteile ich mir selbst das GO. Am Donnerstag der letzte gemeinsame Lauf mit reichlich Austausch der Handynummern.
Der Start ist um 9 Uhr, so treffen wir uns um 8:15 Uhr vor dem Schloss. Das Wetter ist optimal: sonnig und schön kühl bei 8 Grad. Bei den Laufutensilien ist eine Plastiktüte zum überstülpen dabei. Der Sponsor ist der WDR und als Motiv erscheinen die Maus und der blaue Elefant. Es sieht toll aus: fast 4.000 Läufer im Maus-Motiv. Es passt zu Münster und seinem Dornröschenschlaf an diesem Sonntag Morgen. Trotz meiner weitblickenden Vorbereitung gerät die Materialschlacht, was wann und wo, außer Kontrolle. Zu viele Säcke mit unterschiedlichen Anforderungen. Zum Glück ist meine Frau dabei, die nach dem Start die Säcke am zentralen Anlaufpunkt, dem Gymnasium Paulinum abgibt.
Der Organisator ist perfekt aufgestellt. Alles klappt ohne lange Warteschlangen. Es ist deutlich zu spüren, dass alle Beteiligten gut und eng zusammen arbeiten. Vom Schützenverein Roxel bis zur Bundeswehr (oder ist es der Karnervalsverein?) sind alle engagiert dabei.
Der Start ist pünktlich, also los in mein zweites Abenteuer: Ein Roadmovie über 4 Stunden. Die Losung in der Gruppe ist abgestimmt: Der Lauf ist zu schön um Bestzeiten zu laufen. Wir wollen genießen und bei ca. 4:15 ankommen. Susannes Tochter ist Novizin und hat leider noch ein lädiertes Knie. Somit ist Vorsicht angesagt. 
Die ersten 10 km geht es durch die Stadt. Ein großes Publikum empfängt uns, und das am Sonntag morgen um halb 10. Toll!!! Die Versorgung ist auch sehr gut: Getränke und Bananen werden gereicht. Im Programm stand, dass die Früchte biologisch und aus dem Fairhandel sind, wir sind ja in Münster. Bei km 18 sind wir im Unibereich, vorbei an meinem Fachbereich. Mir geht das Herz auf und ich erzähle allen, auch denendie es nicht hören wollen, meine Studentengeschichte. Der Läufer neben mir aus Sachsen, nach seinem Alter zu urteilen ein Student, wundert sich, dass wir uns noch unterhalten, da er schon ziemlich aus der Puste ist. Stolz erzähle ich ihm von unserem Trainingsplan der RP. Dabei fällt mein Blick auf die Startnummer: Es ist ein Staffelläufer!

Nun kommen wir in den Teil des Laufes, der als landschaftlich sehr schön gilt, aber doch recht eintönig ist. Über Gievenbeck geht es nach Nienberge über die Autobahn A1. In Nienberge tobt das Dorf. Hier sind wirklich alle auf den Beinen und feuern uns an. Der Halbmarathon ist geschafft: die gleiche Zeit wie in Düsseldorf, nur spüre ich noch unendliche Reserven in meinen Beinen. Michael kämpft etwas gegen Oberschenkelkrämpfe.
Nun geht es nach Roxel: Das sind 7 km durch die Maisfelder; der Kampf beginnt. Nicht gegen die Kraft sondern gegen die Langeweile. Michael und ich haben alle Bundesligainterpretationen diskutiert. Und dann im Niemandsland taucht eine Samba-Band auf. Klasse! Zwischen Kappes und Lupine diese Motivationsinsel. Alles prima bei mir. Kraft, Gelenke und Ausdauer im grünen Bereich. Michael und ich vergleichen die letzten 20 km mit unserer Runde am Rhein. Plötzlich hinter Roxel bekomme ich von ihm eine Warnung: heftiger Seitenwind auf der Rheinbrücke - wir haben unseren Spass. Bei km 32 bekommt er wie vereinbart seine Flasche RedBull-Wasser. Das ist heute ein falsches Getränk für ihn. Er muss sich übergeben und bittet uns alleine weiter zu laufen. 

Ich warte nun auf den Mann mit dem Hammer. Überall schlägt er ein doch nicht bei mir. Was für ein Unterschied zu Düsseldorf. Dort habe ich bei diesem km gelitten. Nun fühle ich mich immer noch gut. Bei km 37 steht plötzlich Barbara Phlipsen am Wegesrand. Die Frauen und ich freuen uns wie Schneekönige! Sie ist nur für diesen Moment nach Münster gefahren. Was für eine Betreuerin!!!!!
Bei km 38 beschließen die Frauen, dass ich am besten aussehe und mal nach vorne rennen soll, um zu schauen, was da los ist. Ich habe die Freigabe meinen Endspurt hinzulegen. Am meisten motiviert mich, dass die Gesamtläufer zum großen Teil nur noch gehen. Bei km 40 sind wir immer noch in einem Vorort von Münster. Haben die sich vermessen? Aber in Münster liegt alles nahe beieinander. Schnell sind wir am Aasee und dann geht es über die Aegidistraße zum Prinzipalmarkt. Was für ein großer Auftritt. Tausende säumen den letzten Kilometer. Eine große Begeisterung schwappt zwischen Läufern und Publikum. Der Prinzipalmarkt ist prächtig geschmückt und wir laufen unter endlosen Reihen von Fähnchen über diesen. Und für Düsseldorfer kommt eine neue Erfahrung dazu: Das begeisterte Publikum steht auf BEIDEN Seiten des Einlaufes – dieses bedeutet doppelte Stimmung.
Ich habe meine Bestzeit um 4 Minuten verbessert dank einer moderaten ersten Hälfte. Nachdem das RP-Team wieder komplett ist, schlendern wir rüber zum Erdinger Stand. Auch hier ist die Organisation perfekt. Keine Schlange vor den Ausgaben. Nun geht es zurück zum Paulinum. Beutel abholen und dann wartet eine 38Grad-Dusche auf uns. Dieses ist ein Naturmodel, das die freiwillige Feuerwehr in den 50er Jahren selbst zusammengeschweißt hat, auf einem abgegrenzten Teil des Schulhofes. Doch diese rustikale Ausführung passt zu diesem tollen Tag.
Alle aus dem RP-Team sind voll des Lobes für diese Veranstaltung. Für das moderate Startgeld gab es eine tolle Organisation und Versorgung, sehr gute Stimmung an der Wegesstrecke, ein Finisher-TShirt und eine starke Motivation im nächsten Jahr wieder ins Marathongeschäft einzusteigen.

Mit 42195 Grüßen
Christoph Stolp

 

>> 31.10..2008