Laufbericht: 15. Rheinuferlauf, Homberg (08.07.2007)

 

Vom Läufer zum Kindermanager?

Peter Müller beim Rheinuferlauf in Homberg

 

Zur Abwechselung schien es Petrus ja einmal gut mit uns zu meinen. Doch statt die Sonne im Garten auf dem Liegestuhl zu genießen sind wir dann doch zum Rheinuferlauf in Duisburg-Homberg aufgebrochen. Schließlich waren wir schon gemeldet, was einen Rückzieher ja psychologisch immer schwieriger macht.

Warum überhaupt dieser Wettkampf nicht einmal zwei Wochen nach dem Marathon in Finistère? Nun, wie das Schicksal so spielt hatte ich den Termin bei Roland erspäht. Da wir ins Auge gefasst haben zusammen beim Sahara Marathon zu starten, ist es schon zweckmäßig einmal häufiger gemeinsam zu starten. Da es auch wieder Läufe für den Rest der Familie gab haben wir uns kurz entschlossen angemeldet. Dazu bot sich die Gelegenheit zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, da ein anderer Freund noch einen Testlauf für den MüMa absolvieren wollte. Das hat leider nicht geklappt, da er in einem Stau hängen geblieben ist, wie wir später erfahren haben.

So fuhren wir bei strahlendem Sonnenschein los. Die Strecke war auch locker in nicht einmal 40 Minuten zurückgelegt. Es gab sogar noch reichlich Parkplätze, so dass wir in unmittelbarer Nähe des Eingangs einen Platz zugewiesen bekamen.

Auf der Sportanlage selber herrschte schon reges Treiben. Bunte Stände jeglicher Art. Vom obligatorischen Kuchenbuffet, dem Grillstand über den Malteser mit Blutdruckmessung bis zu einem Photosofortservice wurde viel geboten. Bei der Startnummernausgabe gab es erst einmal leichte Verwirrung, da diese nach Einzelläufern und Vereinen getrennt war. Diesmal wurden wir unter Verein geführt. Wieder eine neue Erkenntnis.

Carole hatte sich, trotz einem seit Tagen überaus treuen Husten, entschlossen doch noch auf die 5 km Strecke zu gehen und zog mit Kilian zur Nachmeldung. Von der kehrte Kilian glücklich wieder, da Mama sich dann doch hatte erweichen lassen und den zweiten Start genehmigt hatte.

Dann stieß noch ein Teilnehmer meines Lauftreffs dazu, so dass sich mit seiner Familie eine illustre Runde bildete, die aber nicht lange währte, da auch schon der erste Start anstand. Dieser erfolgte vor dem Tor der Sportanlage mit einem leider sehr kleinen Läuferfeld, dass auch noch aus drei Jahrgängen bestand, weshalb Coralie und Kilian diesmal gemeinsam antraten. Die Konkurrenz sah nicht sehr stark aus, so dass sich ein Start – Zielsieg von Kilian absehen ließ. Es ging also mehr um das Abschneiden von Coralie. 

Nach einem Schuss, der direkt auf ein „Auf die Plätze!“ folgte, schoss die Kinderwolke auch schon davon und verschwand im Park, geführt von einem Radfahrer. So hatten wir Muße in Ruhe wieder Richtung Zielbereich zu gehen. Entsprechend unserer Erwartungen erschien Kilian als erster hinter dem Radfahrer wieder im Stadion und erreichte unangefochten das Ziel. Schon eine Minute später traf Coralie ein und zog mit langen Schritten und ernst entschlossenem Gesicht in die Endrunde. Als dritte konnte sie sich dann auch noch einen Platz auf dem Treppchen sichern.

Zu diesem Zeitpunkt endete dann auch das bislang ungetrübte Vergnügen. Dunkle Wolken zogen auf und es grollte schon dumpf im Hintergrund. Der Regen ließ dann auch nicht lange auf sich warten und platschte in dicken Tropfen auf die Aschenbahn. Auf der bildeten sich rasch wachsende Pfützen und der Boden verwandelte sich in einen roten Brei. Aber das Programm musste weitergehen und so traf es die 1000m Läufer voll. Der Stadionsprecher wurde nicht müde zu betonen, dass es sich nur um einen Schauer handelte und dass schon wieder hellere Wolken in Sicht kämen, aber es hielt sich, so dass auch der 5000 m Start noch mit Petrus speziellem Segen erfolgen musste. 

Diesmal also das „Hauptrennen“ für mich. 40% der Familie am Start plus Kai vom Lauftreff. Der Lauf begann mit zwei Runden im Stadion, so dass ich aus der sicheren Deckung eines Pavillons noch ein paar Photos schießen konnte, bevor die Schlange aus dem Stadion verschwand.

Dann traf ich auch Angelika und Roland beim Zelt des Ansagers. Sie hatten mich zwar schon gesehen und versucht sich bemerkbar zu machen. Aber in dem Trubel habe ich sie nicht wahrgenommen. Angelika hatte auch schon ein paar nette Bilder von Carole und Kilian gemacht, wofür ich ihr sehr dankbar bin, denn so schön kriegen wir unsere nur selten hin. Der Regen ließ nach und versiegte schließlich. Die Sonne schien wieder und gleich stiegen Wolken milchigen Wasserdampfes über der Bahn auch. Sauna inklusive? Eigentlich lieber nicht. Da kamen auch schon die ersten Läufer wieder ins Stadion und platschend nahmen sie ihre letzte Bahn in Angriff. Roter Schlamm spritze in alle Richtungen. Als erster erreichte Kilian wieder das Stadion, mittlerweile recht locker, nachdem er beim Start noch die Hände in die Hüfte gestützt hatte. Erst 800m und dann 5000m sind eben kein Pappenstil. Immerhin 24. in der Gesamtliste. Dann trudelte auch Kai ein, auf den ich doch etwas stolz bin, da er es immerhin gewagt hat zum ersten Mal an den Start zu gehen. Schließlich traf auch meine Carole ein, völlig abgekämpft und mit frustriertem Gesichtsausdruck, als sie vernahm, dass es noch einmal um die Bahn ging. Sie hatte sich doch etwas viel vorgenommen mit ihrer angeschlagenen Gesundheit. 

Viel Zeit blieb denn auch für mich nicht mehr. Mit Roland lief ich mich noch zwei kleine Runden warm. Im Vorfeld hatten wir schon diskutiert, wie und was man denn bei so einem späten Start isst und wie wir denn zum Kuckuck „Schotter“ definieren müssten. Es gibt bei den Korngrößen ja die Varianten von Eisenbahnschotter bis Wanderwegschotter. Eine Stunde später wussten wir es genauer als uns lieb war.

Insgeheim träumten wir beide von einer neuen PB, weshalb wir uns bei dem Starterfeld von über 300 Leuten lieber vorne einreihen wollten. Die Anderen waren wohl etwas von Schüchternheit befallen, so dass wir selbst beim Start noch in der ersten Reihe standen. Nach einem kurzen „Auf die Plätze!“ fiel auch schon wieder unvermittelt der Startschuss und es ging dann auch wie aus der Pistole geschossen los. Der Schlamm hatte wieder seine Freude alle Läufer mit roten Flecken zu sprenkeln. Die ersten beiden Runden hielt ich noch mit, merkte aber schnell, dass ich dieses Tempo natürlich nicht durchhalten konnte. So verabschiedete ich mich von Roland mit einem „bis nachher“ und ließ abreißen. Roland hatte den Anfang der Strecke schon erkundet und von einer Steigung berichtet. Na, nach Finistère würde mich „eine“ Steigung wohl nicht vom Hocker reißen. Aus dem Stadion heraus ging es kurz durch den Park und über „die Steigung“ hinaus auf die Straße. Bei km 1 sagte jemand die Zeit an und beim Vergleich stellte ich mal wieder fest, dass ich meine Uhr nicht richtig gedrückt hatte und sie noch nicht lief. Es würde also schwierig werden die Zeit mitzuhalten und so hoffte ich, allerdings vergebens, auf Zwischenzeiten auf der Strecke. Schon als wir bei km 1,5 Richtung Hafen abbogen wurde die Strecke ziemlich holprig. Die Strecke führte dann über eine enge Gitterbrücke mit Holzbelag auf den Deichweg. Dieser war allerdings auch etwas schmal geraten und mit seinen vielen Schäden hinderlich. Überholen war nur mit viel Voraussicht möglich, damit man nicht unversehens in ein Loch trat. Der Blick auf den Rhein war so gesehen sehr schön, nur das dahinter liegende Gelände von Thyssen trübte die angekündigte Aussicht erheblich. Vielleicht war der Autor der Homepage aber auch bei Nebel hier gewesen. Aber noch war ich mit meinem Puls beschäftigt. 88% hatte mir Udo geschrieben. Das schien mir etwas viel für meine Verhältnisse und ich suche einen Rhythmus, mit dem ich knapp darunter bliebe. Der Slalom um Löcher und Pfützen erschwerte dies aber unangenehm. Bei km 2,5 schon der erste Verpflegungsstand. Ob dies wirklich notwendig war? Dann ging es runter in die Rheinauen. Der gepflasterte Weg endet abrupt und macht der „Natur“ Platz. In der Praxis war dies ein Pfad, gerade mal breit genug für einen Läufer, und mit Pfützen jeder Größe wie auf einer Perlenkette aufgereiht. An vielen Stellen teilte sich die Läuferschlange und umging diese Schlammfallen auf beiden Seiten. Aus der Vogelperspektive musste das wie nach Koreographie aussehen. Mancher Läufer blieb direkt auf der Wiese, was aber nicht die ideale Alternative zu sein schien. Die schnelleren Läufer mussten sich zügeln und auf günstigeres Gelände zum Überholen warten. Dann ging es wieder den Deich rauf. Der Anstieg war kurz, aber knackig. Nun führte der Weg direkt am Rhein lang, auf die Brücke der A 42 und der davor liegenden Eisenbahnbrücke zu. Langsam wurden beide größer, die Eisenbahnbrücke noch ein älteres Modell in Stahlgitterbauweise. Die Autobahnbrücke eine moderne Betonkonstruktion, die ihre Pylone elegant und majestätisch in den grauen Himmel streckte. Sie ist so hoch, dass man beim Unterqueren nicht einmal das typische Wummern der Dehnfugen hörte. In Niederhafen wieder ein Verpflegungspunkt, diesmal passend. Wegen des Tempos schaffte ich nur ein paar Schlucke, der Rest lief daneben. Machte auch nix, war eh schon nass. Mir entgegen kam „King Lui“. Nein, nicht der König im Affenstall! Es war ein Frachter mit gelbem Bug und gelber Brücke, der tief im Wasser liegend Rheinauf stampfte. In diesem Abschnitt überholte mich auch ein stämmiger Läufer in rot-silbernem Shirt, den ich natürlich nach dem Schiff taufte. Eigentlich wollte ich an ihm dran bleiben, aber nach zwei km gab ich den Versuch auf. Der Typ lief wie eine Maschine.

Wieder ging es vom Deich runter über Landwirtschaftswege auf Baerl zu. Die Luft war angereichert, na sagen wir mal positiv Landluft. Überhaupt nicht positiv, und daher im Slalom zu umgehen allerdings, die Ursache. Warum ausgerechnet vor einem solchen Wettkampf ein Bauer im wahrsten Sinne des Wortes seinen Mist auf dem Weg verteilen musste blieb ein Geheimnis. In Baerl dann die Antwort auf die Frage, wie Schotter zu definieren war. Die Straße weggerissen und Schotter, der jeder Bahntrasse zur Ehre gereicht hätte. Es wurde stolperig und ich reduzierte lieber das Tempo. Aber auch diese vielleicht 150 m gingen vorüber, ließen aber böse Ahnungen für den Rückweg aufkommen. Da würden die Füße schon etwas müder sein. Damit keine Langeweile aufkam ging es direkt wieder auf den Deich hoch. Nie hätte ich gedacht, dass man so viel Angst vor Wasser haben kann. Die Höhe des Deiches belehrte mich eines Besseren. Eine kleine Läuferin überholte mich. Vielleicht gerade mal 155 cm. Schwarze Haare, schwarze Laufbekleidung. Sie wurde „Black is beautiful“ getauft. Immerhin schaffte ich es erst mal auf 50 m dran zu bleiben. 

An einer Markierung erkannte ich, dass ich an der Wendeschlaufe angekommen war. Also rechts runter vom Deich. Über die Felder hinweg konnte ich dann den Führungsläufer hinter dem Radfahrer erspähen. Wie viel Vorsprung er wohl gehabt haben mochte? Aber keine Zeit für solche Berechnungen. Von hinter näherte sich „Kim“, ein Asiate. Für ein paar Meter schaffte er es vor mir zu bleiben. Mein Puls war etwas abgesackt, so dass ich mich traute leicht zu beschleunigen. Nationale Ehrensache. Doch verließen ihn wohl auch so die Kräfte. Er hielt sich noch ein bisschen neben mir, dann verschwand er im Nirwana. Der Horizont wurde hier wieder von einem Industriekomplex eingenommen. Das sind schon eigenartige Kontraste, wenn man an Schafen und Kühen vorbeiläuft und dabei auf solche Bauten blickt. Bei km 19 ging es vom Ufer weg, womit wir auch in den Wind eindrehten. Er war nicht stark und machte sich hier unten auch noch nicht unangenehm bemerkbar, da auch die Sonne wieder schien. „Black is beautiful“ tauchte wieder vor mir auf und ich konnte näher rücken. Bei km 11 versuchte ich die Zeit zu überschlagen, kam aber zu keinem realistischen Ergebnis. Später fiel mir ein, dass ich ja auch mal einen anderen Läufer hätte fragen können. Manche Lösungen scheinen zu einfach zu sein. Aber erst mal wieder über den Deich, wo ich auch den ersten im Schritttempo sah. Hinter einer Ecke verbarg sich der Wendepunkt, der in diesem Fall aber nicht an der Streckenhälfte lag. Nochmals schnell etwas Wasser reingekippt und weiter ging es. Es bildete sich eine kleine Traube am folgenden etwas längeren Anstieg zur Deichkrone. Sie löste sich aber bis oben wieder auf. Dort hole ich auch „Black is beautiful“ endgültig ein. Sie ist wohl doch keine Gämse und hatte sich bei dieser Steigung übernommen. Der Weg auf der Deichkrone war unbefestigt und die Läufer verteilten sich auf die beiden Fahrspuren im Gras. Hier wurde der Wind unangenehm und dämpfte den Enthusiasmus. An der Gabelung kamen mir noch einige Läufer entgegen. Etwas taten sie mir leid, da es irgendwann doch hart ist so lange unterwegs zu sein. Es kommt der Punkt, dass man es doch hinter sich haben will. Der Nachteil an Pendelstrecken, dass sich alles wiederholt, nur in umgekehrter Reihenfolge. Das letzte Drittel war geprägt vom Kampf gegen mich selber. Würde ich den Puls halten können? Wie würden sich die Steigungen auswirken? Ein Halbmarathon und ein Marathon sind zwei grundverschiedene Dinge. Der HM ist vom Tempo meist so hoch, dass keine Gespräche mehr möglich sind. So gesehen ist es ein relativ einsamer Lauf. Lediglich auf der beliebten Schotterpiste in Baerl wurde die Einsilbigkeit durch vermehrte Flüche unterbrochen. Immer öfter merkte ich, wie ich instinktiv den Horizont nach Landmarken absuchte, die mir das Ziel anzeigten. Immerhin war ich immer noch in der Lage einen Frachter zu überholen. Für den Notfall hatte ich noch einen Squeeze Cola dabei. Sollte ich ihn noch schlucken? Würde es sich noch lohnen? Eigentlich ging es noch, es blieb nur wie immer die Angst vor einem plötzlichen Einbruch. Aber ich hielt einfach mein Tempo. In den Rheinauen hatten die Läufer mittlerweile richtige Trampelpfade in den Wiesen angelegt, die wellenförmig um die Pfützen führten. Noch ein letzter Anstieg und ich war wieder auf dem Deich. In einem langen Bogen verschwand der Weg hinter einer Flussbiegung. Wie weit noch ab dort? Dahinter tauchte endlich die Hafenbrücke wieder auf. Keine zwei km mehr! Unter mir fuhr ein Polizeiboot in den Hafen. Der Weg kam mir noch schlechter als auf dem Hinweg vor. Wieder runter in den Park. Irgendjemand ruft: „Du schaffst das!“ So ein Idiot, glaubt er vielleicht ich würde hier noch abbrechen? Hinter der Trassierung zum Stadion stand meine Frau und fotografierte. Gut sie zu sehen! Die Kinder standen auf dem Mittelteil und laufen ein Stück mit. Die Innenbahn war nur noch eine Matschfurche. Diesmal verzichtete ich auf den Endspurt, es schien sich nicht zu lohnen. Endlich im Ziel, die Nase war voll. Die Zeit nur eine Vermutung.

Roland war noch da, auch er nicht so richtig glücklich. Wir verabschieden uns bis zur nächsten Runde. Wo? Wird sich zeigen. Einig sind wir uns aber: Schotter nur noch mal in der Sahara.

Meine Zeit konnte ich nicht mehr bekommen. Wasserschaden bei der Auswertung. Na gut, dann halt morgen online. Sonntag dann die Überraschung: 01:43:03 h, die PB doch noch um ein paar Sekunden verbessert. So ein Sch…, da hätte sich der Endspurt doch gelohnt!

Fazit
Da laufe ich nun um die 60 km pro Woche und mir die Lunge aus dem Leib. Das reicht gerade mal für Platz 75. Coralie und Kilian räumen in zwei Wochen zwei erste, einen zweiten und einen dritten Platz ab, ohne zu trainieren. Es ist Zeit, dass ich das Laufen aufgebe und nur noch meine Kinder manage.

 

Peter Müller, Team Kempen 

 

>> 11.07..2007