Laufbericht: Ultramarathon - Roentgenlauf Remscheid (28.10.2007)

 

Soweit die Füsse tragen.

63.3km Ultramarathon im Bergischen Land.

"Im Oktober so'n langes Ding über 63 km durchs Bergische Land? Nette Idee. In diesem Jahr aber ohne mich!"

Ja nee, is' klar. Macht in diesem Jahr für mich auch nicht wirklich Sinn. Spätestens mit meinem Start beim Xanten Triathlon habe ich für mich das neue Ziel IRONMAN in Roth 2008 festgelegt. Da passt so ein Ultra zum geplanten Beginn des Wintertrainings nicht wirklich rein.

 

Der Geist ist willig, aber ...

Um es kurz zu machen: Es ist keine fünf Wochen her, dass dann doch der Reiz des Remscheider Röntgenlauf stärker war. Ich mich flugs übers Internet ("nur mal eben so ... gaaanz unverbindlich") angemeldet habe. 

Ja, und nun steh ich hier und pack meine Wettkampftasche. Die fällt diesmal was dicker aus, weil noch nicht so richtig klar ist, wie das Wetter morgen werden soll. Kalt auf jedenfall. Vielleicht auch Regen. Man weiss es nicht. Also - für alle Eventualitäten was einpacken. Am Nachmittag noch Bullshit-Bingo mit Micky per E-Mail. Tempotabellen und Wettkampfstrategie austauschen. Strategie? Meine Strategie ist, dass ich irgendwie keine habe. Noch nicht mal ne klare Zielformulierung. Laufen will ich. Aber wie schnell? Keinen Dunst. Schneller als letztes Jahr auf jeden Fall.

Ich bastele mir drei Tempo-Kärtchen mit Zielzeiten 6:59:00, 7:13:55 und 7:35:05. Vielleicht helfen die mir morgen. Ich nehme mir vor, erst mal mit den anderen zu laufen, soweit und solange es geht, und mich dann später zurückfallen zu lassen. Wobei -  bei der kurzen Vorbereitungszeit kann ich froh sein, wenn ich unbeschadet durchkomme ...

Um 23:00 Uhr geh ich ins Körbchen und penn direkt ein.

 

Auf geht's ....

5:00 Uhr:  Aufstehen. Automatismen abrufen. Wettkampf-Frühstück. Toilette. Duschen. Pulsuhr und -gurt, Chip, Laufschuhe und leichte Wettkampfsachen ziehe ich bereits an. So kann ich nix vergessen.

Punkt 6:00 Uhr treffen mit Micky, Frank. Bärbel und Martin bei mir. Und ab die Post mit Mickys Bulli. Trotz fehlendem Navi finden wir tatsächlich nach Remscheid. 

7:15 Uhr Parkplatz Hackenberg. Bulli parken und rein in die Sporthalle zur Startunterlagenausgabe. Läufergewusel. Wir treffen die anderen: Gerd, Gregor, Dirk, Sylvia und Jörg. Was zieht Ihr an? Mist! Ich hab alles in meiner dicken Tasche, nur kein dünnes langärmliges Laufshirt für drunter. Und das wäre bestimmt heute perfekt. Viele tragen bereits diese Kombi. Und ich? Hm.

Mit Bärbel ab zur Marathon-Messe in die Nebenhalle. Am RONO-Stand werden wir fündig. Bärbel kriegt ihre Maschmellos und ich ein schickes neues Shirt.

Perfekt. Jetzt kann nix mehr schief gehen. Wir treffen Betty. Totschick. Pinkes kurzes T-Shirt drunter und transparent weißes langes Laufshirt drüber. Betty futtert noch irgend nen Riegel und bekleckert sich gleich an exponierter Stelle. BBB. (<= für Insider!) 

8:20 Uhr. Wir schlendern zur Startaufstellung. Am Troubledesk schnorr ich mir noch ne halbe Tasse Kaffee. Zum Wachwerden. Ich lerne Collin aus New-Hampshire kennen. Für sie ist's das erste Mal ...  in Deutschland und bei nem Ultra.

 

Auf dem Röntgenweg

Wir rotten uns in zwei Gruppen zusammen. Gregor, Gerd und Frank, die die 6 Stunden angreifen. Und Bärbel, Micky, Martin, Dirk, HaJo, Sylvia und ich mit Zielzeiten unter und um die 7 Stunden.

8:30 Uhr. Startschuss. Auf geht's. Der Tross setzt sich in Bewegung.

Wir laufen 'ne Schleife durch Lennep und ab geht's auf den >>[Röntgenweg]. Rauf. Runter. Rauf. Runter. Der Röntgenweg ist ein sehr abwechslungsreicher Rundweg um Remscheid. Auf seiner 63,3 Kilometer langen Strecke hat man tolle Ausblicke auf das Bergische Land. Der Weg führt durch kühle Täler, vorbei an Wasserhämmern und alten Bergischen Fachwerkhäusern. Super schöne Waldwege. Herrliche Blicke auf's Bergische. Unter der höchsten Eisenbahnbrücke Deutschlands hindurch  (Müngstner Brücke) und über das mittelalterliche Schloss Burg zur Eschbachtalsperre. 

 

Der Höhenunterschied beträgt insgesamt  ± 1.100 Höhenmeter.

 

 

 

 

 

.

Wir sind prima unterwegs. Viel schneller als geplant. Wir versuchen immer wieder Tempo raus zu nehmen. Klappt irgendwie nicht. Wir sind Getriebene. Unser Tempo-Split auf den ersten 10 Kilometern liegt bei 6:15/'. Beim Halb-Marathon sogar bei 6:10/'. Durchschnitts-Tempo. Uuuups. KM 21,1 passieren wir nach 2:09:47. Zehn Minuten schneller als geplant. 

 

Jetzt aber wirklich langsam und konzentrieren. Körner nicht zu früh verschießen. Cool bleiben. He, die ersten 21 km sind die einfachsten der gesamte Strecke. Da dürfen wir ruhig was flotter sein, oder!?

 

 

 

 

 

Das Läuferfeld hat sich nach dem Halb-Marathon massiv ausgedünnt. Jetzt sind nur noch Marathonis und Ultras auf der Strecke. Die Stimmung in der Truppe ist super. Dagmar Grossheim schließt sich uns an. >>[Dagmar] wurde 2006 Weltmeisterin im 10fachen Ironman in Vidauban/Frankreich. ...

 

Ab KM37 geht's 3 KM hoch von 132 m ü.NN auf 216 m ü.NN. 

Wehe, wenn man pinkeln muss. Dann gilt's die verlorenen Sekunden zügig aufzuholen und wieder an den RP-Pulk aufzuschließen. Lactat schießt in meine Beine und bleibt da erstmal hängen. Autsch. Die Muskulatur droht zu verkrampfen. Jetzt wird's harte Arbeit. Bis zum Marathon kann ich noch einigermaßen dranbleiben und lass dann den RP-Pulk mit Micky, Bärbel & Co. ziehen.

 

 

 

Neue Ziele stecken. 

Marathonzeit: 4:25:46. Rund 15 Minuten schneller als die angepeilte Zwischenzeit an der Marathonmarke. Pulver zu früh verschossen. Jetzt muss ich bezahlen. Mein Puls ist viel zu hoch. Meine Beine sind leer und verkrampfen. Ruhig bleiben. Nach vorne denken. Selbstmotivation. Bislang war ich auf Track für eine Zielzeit satt unter 7 Stunden. Das hatte ich doch so garnicht vor. Also - was soll der Scheiß! 

 

 

Wozu hab ich meine Tempokärtchen ;o)) 

Wo bin ich? Welche Zeit hab ich? Wie fühle ich mich? Was kann ich jetzt noch realistisch erreichen? Unter 7 Stunden ist mit mir hier und heute nicht mehr machbar. 

O.K. - sei's drum. Aber unter 7:15 Stunden könnte noch klappen. Das ist noch drin. Zusammenreißen. Konzentrieren. Motivieren. Die anderen sind jetzt weg. Jetzt muss ich das lange Ding mit mir alleine ausmachen. ... 

Wenn's nicht mehr geht, dann gehe ich halt, aber solange laufe ich noch. Setze mir kurze, überschaubare und erreichbare Ziele. O.K. - alles tut weh, aber wenn ich jetzt bis zur Steigung bei KM45 durchlaufe, dann kann ich mich beim Gehen am steilen Anstieg hoch zur Talsperre erholen. Und steil ist beim Röntgenlauf wirklich steil!

 

 

 

Und so mach ich das. Aus dem Laufen wird gefühltes Geeiere. Keine Panik. Alles im grünen Bereich. Ich komm irgendwie bis zum Aufstieg zur Talsperre. Und dann hoch gehen. Durchatmen. Weitergehen. Bis die Beine wieder einigermaßen locker sind. Und vorsichtig anlaufen. Nur nicht verkrampfen. Bei KM 43 stehen Franky und Andrea und feuern an. Das tut gut. Ich werde sie später noch öfters sehen. Sie feuern an bei KM 48, 55 und 63. Klasse. 

 

Endlich KM 45 ist erreicht. Ich hab zwar ordentlich Federn und Zeit gelassen. Ist aber egal. Ich bin noch immer voll im grünen Bereich für mein neues Ziel unter 7:15 Stunden. Das baut auf. Weiter geht's. Nicht stehen bleiben. Nur nicht stehen bleiben.

 

 

 

 

 

KM 50. Irgendwann schließen Sylvia, Betty und Kerstin von hinten auf. 

Kerstin ist bei KM30 als Betty's persönlicher Hase eingestiegen. Ich muss sie ziehen lassen. Egal. Bergauf gehen, bergab laufen. Gehen. Laufen. Gehen. Laufen. Konzentrieren. Nur nicht verkrampfen. Locker bleiben.

Mein Tempo fällt kurzfristig ab auf 8:00/'. Nur noch schlappe 13 Kilometer! He, das ist meine Morgenrunde. Lachhaft. Durchbeissen. So langsam kommen die Körner zurück. Die Beine werden wieder lockerer. ich kann mehr Tempo aufnehmen. Ab KM 55 liegt mein Tempo-Split wird im akzeptierbaren Bereich. Ich laufe jetzt einen Tempo-Split von 7:10/km. Mehr ist noch  nicht drin. 

 

KM60. Noch 3 KM bis ins Ziel. Weiter vorne sehe ich Sylvia. Sie ist jetzt mein Fixpunkt. Beim letzten sehr steilen Anstieg kann ich aufschließen. 

 

 

 

Und dann kommt nur noch die Kür.

Mit Sylvia zusammen 'nen beherzten Schluß-Spurt ins Ziel. 7:13:41. 

Damit habe ich meine Zeit vom letzten Jahr um mehr als 1 Stunde unterboten. Geht doch!

(Zieleinlauf nach 7:13:41)

 

Und hier im Überblick die Ergebnisse der RP-Ultras:
Ergebnisse

Micky Fritz
Bettina Mecking
Jörg Brocker
Gerd Walter
Gregor Buschhüter
Frank Nießen
HaJo Löbbert
Bärbel Fisch
Martin Thees
Hans Schümmer

Sylvia Passon

Dirk Brendler

06:43:46

07:05:37

07:17:01

05:57:12

05:49:23

06:04:43

06:49:52

06:43:46

06:50:58

07:13:41

07:13:40

06:58:14

 

 

 

 

 

>> 01.11..2007