Laufbericht: Stockholm Marathon (09.06.2007); Christa Baumeister (Team Kempen)

 

Hej,

...das ist die korrekte Ansprache auf Schwedisch...auch das habe ich gelernt ;-) und noch vieles mehr!

Die Ausschreibung zum Stockholm Marathon im Internet las sich vor langer Zeit einmal so: "Laufen Sie im Juni im hohen Norden Europas einen der attraktivsten Läufe der Welt bei gemäßigten 18 Grad Durchschnittstemperatur.... " , dass läßt sich die Christa doch nicht zweimal sagen. Schön kühl, locker laufen, schöne Umgebung, was will man mehr ;-). Verbunden mit einer netten Städtetour....

 

Aber irgendwie müßte ich es besser wissen. Wenn ich mir was vornehme, wird es immer extrem.... in welche Richtung auch immer!

 

Hier der Bericht über einen der schönsten Marathonstrecken der Welt:

 

Freitag, 8. Juni 2007

Ankunft gegen 12 Uhr im Hotel, auspacken, ab zum Stadion (Olympiastadion von 1912 .... ganz wichtig). Wie sich herausstellte ist das Hotel fußläufig ca. 15 Minuten entfernt...also mehr als optimal

 

Die Startunterlagen wurden ziemlich zackig ausgegeben, daran anschließend eine sehr kleine Marathonmesse. Ein anderer Teilnehmer hat mir erzählt, er hätte am Abend 2 Stunden gebraucht um die Unterlagen zu bekommen. In der Tüte war neben dem üblichen Zeug auch ein Stockholm Marathon Handtuch, eine Trinkflasche und die ersten Hinweisblätter auf das Wetter und das man ja viel trinken sollte. Na super...

 

In der Nacht habe ich dann den schwedischen Midsommer kennen gelernt. Ich werde gegen 4 Uhr wach und denke ich hätte mich verschlafen, das Zimmer taghell, ein Licht, das habe ich so noch nie gesehen. Blick auf die Uhr: 4 Uhr... wieso machen die den Marathon nicht in der Nacht?

 

Samstag, 9. Juni 2007

Nettes Frühstück im Hotel - natürlich vorschriftsmässig nur Weißbrot mit etwas Marmelade ;-). Schon im Hotel liefen nur Läufer hin und her und warteten auf 14 Uhr. Ich bin dann noch einmal in den Park und merkte schon, dass wird richtig heiß heute.. na prima.

Der Start war neben dem Stadion, man wurde in Gruppen eingeteilt...

 

eigentlich wie immer. War nur etwas umständlich, da man von den Seiten über ein Extra Grundstück in seine Startzone gehen mußte. Nunja, da stand man nun bei 32 Grad....kein Windzug (ich dachte bis dahin in Stockholm wäre es immer windig!)...und alleine vom Stehen kam ich schon ins Schwitzen. Dann standen nun:

17.655 Starter

davon

6.270 aus Finnland

942 aus Deutschland

460 aus Großbritanien

230 aus Dänemark

219 aus Norwegen

205 aus Frankreich

180 aus Italien

129 aus der Schweiz

118 aus den USA

 

und eine Christa aus dem RP Marathon Team ;-).

Dann ging es los: Natürlich nur Sonne... wenig Schatten. Kurzzeitig wurden die Strecken von den Läufern man "umgelegt" damit man wenigstens ab und zu mal ein wenig Schatten hatte. Vom Stadion ging es erst einmal durch den Vorort Gärdet, danach durch Djurgarden. Das ist eine Erholungsinsel für die Stockholmer, mitten in Stockholm. Djurgarden wurde von der schwedischen Krone als Jagdrevier im 18 Jhr. angelegt und dient heute ausschließlich der Freizeitgestaltung. Man kann dort Radfahren, Segeln, dort ist ein Vergnügungspark, das Vasamuseum steht auch dort ... oder Marathon laufen.

Danach ging es an Standvägen vorbei (Uferpromenade, wo die ganz armen Stockholmer wohnen) in die City über ein der vielen Brücken in die eigentliche Altstadt Gamla Stan. Hier ist auch das königliche Schloss. Man hatte dort einen super Blick auf riesige Kreuzfahrtschiffe. Dann ging es einen Autotunnel (leider nur 200 m ;-). wieder am Wasser vorbei über die Västerbron Brücke nach Kungsholmen. Von der Brücke hatte man einen sagenhaften Blick, aber der Anstieg erschwerte das Gucken erheblich. Dann ging es durch Norrmalm wieder Richtung Stadion und dann die Runde noch einmal (war fast identisch). Mein Problem begang bei km 22, direkt nach der HM Distanz. Krämpfe oberhalb des Magens...keine Ahnung wieso, weshalb. Evtl. zuviel getrunken vor lauter Panik???? Von jetzt auf gleich ging nichts mehr. Dann bin ich bis km 29 gewalkt und gelaufen, abwechselnd. Bei km 29 wartete mein Freund, da wäre ich normalerweise ausgestiegen. Aber mein Coach war da ganz anderer Meinung, da ich ja nichts an den Beinen oder Füßen hätte könnte ich doch noch ein wenig laufen. Nachdem ich mir noch ein Gel und die Salz-Schorle von Micky reingezogen habe, ging es weiter. Die Zeit war eh egal mittlerweile - und ich glaube das war fast jedem egal der da mitgelaufen ist im nachhinein -.

Ich habe es dann tatsächlich geschafft und bin dann im Olympiastadion eingelaufen und habe meinen 5. Marathon gefinisht.

 

Das Olympiastadion ist tatsächlich von 1912, ein altes Backsteingebäude, super schön und man hatte schon ein gutes Gefühl, an einem so historischen Ort einzulaufen.

Nach dem Ziel bekam man sofort eine Flasche Wasser in die Hand gedrückt und die Medaille. Dann ging man aus dem Stadion raus auf einen Platz. Bei dem Marathon ist es so, dass man den Zeitmesser gestellt bekommt und nur wenn man ihn nicht abgibt, wird man belastet mit dem Betrag. Also hatte fast jeder einen Leihchip. Aber das war überhaupt kein Thema, da man auf eine Bühne ging (natürlich ohne Treppen!),unten saßen Jungs und schnitten die Leihchips ab - wann liegen einem schon junge Schweden zu Füßen? Dann ging es weiter zum nächsten Zelt, dort bekam man sein Finischer TShirt und danach bekam jeder eine Tüte mit Verpflegung. Darin waren eine Zimtschnecke (Nationalgericht der Schweden), ein Schokoriegel, eine Banane, Rosinen, Nüsse, Proteim Shake, Joghurt Drink.Das fand ich genial... man hatte keine Wartezeiten, die Leute standen nicht doof rum etc. Einfach gut....

 

Fazit zum Stockholm Marathon: Einfach eine super Strecke, aber ganz ohne Steigungen geht es auch da nicht ;-). Sie bietet alles, viel grün, prächtige Strassen, schöne Aussichten auf das Wasser und die Schiffe. Man lernt Stockholm gut kennen und man weiß warum sie den Beinamen trägt "Vendig des Nordens".

Am Rand standen sehr sehr viele Menschen, die aber leider nicht so einfeuern wie wir das aus Deutschland kennen. Aber man fühlt sich nicht alleine... und der ein oder andere männliche Läufer war froh über die Hitze, trug es doch zu sehr knappen und hübsch anzusehenden Outfits der Schwedinnen bei ;-).

 

Mein Fazit: Ich glaube ich habe mich überfordert. Eine Woche vor dem Start hatte ich dann noch eine schwere Allergie inkl. Entzündung, die ich durch Medikamente unterdrückt habe. In der Woche war ich dann auch noch beruflich in Berlin, also auch keine Zeit zum relaxen. Dann noch diese Hitze.... war einfach ein wenig viel ;-). Aber egal, ich bin angekommen, habe einen der schönsten Läufe der Welt bestritten und war dabei. Und ich habe nicht aufgegeben, bin trotz meines Tiefs noch einmal angelaufen und habe es geschafft. Darauf bin ich ein wenig stolz... und meine Eindrücke von diesem Lauf sind ganz anders als bei den anderen Läufen. 

 

Fühle mich total gut, überhaupt nicht müde - bin ja auch viel gegangen...

hihi - . Es war ein Erlebnis und ich bin froh dabei gewesen zu sein. Fänd es aber noch schöner, sowas demnächst mal mit Euch zu machen...Ich werde es in den nächsten Wochen etwas ruhiger angehen, mal wieder schwimmen und Rad fahren und natürlich die netten Samstage mit Euch verbringen .... der nächste Marathon kommt bestimmt!!!

 

Ganz liebe Grüße...

 

Christa

>> 13.06..2007