Laufbericht: 23.Nibelungen Triathlon, Xanten (09.09.2007)

 

Nibelungen Triathlon: 
Debüt über die Olympische Distanz.

Aufregung. Flaues Gefühl. Morgen soll’s endlich losgehen. Was wird mich erwarten? Was soll ich anziehen? Es soll kalt werden. Werden die Wechsel klappen? Werde ich meine Wechselzone finden, mein Rad, meine Laufschuhe. Wird mir niemand im Wasser ins Gesicht treten, werden die Reifen halten, die Kette nicht abspringen, werde ich genug Power haben, um auf der Laufstrecke Gas geben zu können?

Jetzt hilft nur noch Struktur: Ich gehe systematisch meine Checkliste durch. Zweimal, dreimal. Nix vergessen. Fahrrad, Neo und Ausrüstung sind im Auto. Alles startklar für morgen früh. Haken dran. 

Zeitziele gehen durch den Kopf. Unter 3:00, oder sollte ich die 2:45 tatsächlich knacken. Micky und Schröder sind davon fest überzeugt. Blödsinn. Schaff ich nie. Wegdrücken. Neues Ziel visualisieren. Finishen. Ich will nur finishen. Und das so schnell wie möglich .... also doch unter 3:00 .. 2:45 .... hm.

Letzte Telefonate. Micky. Noch letzte Tipps und Wettkampf-Strategie abholen. Rolf. Wir verabreden uns für 6:00 Uhr. Dann wollen wir „in Kolonne“ nach Xanten fahren.

Ich bin platt. Trink 'ne Flasche Erdinger alkfrei und schlafe früh ein. Penne wie ein Stein.

4:55. Auf meine innere Uhr ist verlass. Noch vor dem Wecker aus dem Bett. Wettkampf-Frühstück, Duschen, Pulsuhr, Brustgurt, Chip und Trisuit ziehe ich bereits jetzt an. Das kann ich schon mal nicht mehr vergessen.

Punkt 6:00 bei Rolf und Rita. Wir fahren nach Xanten dem Sonnenaufgang entgegen.

7:00. Xanten. Wir gehören zu den ersten auf dem Teilnehmer-Parkplatz. Orientieren. Startnummer holen. Schnell Räder und Wettkampf-Ausrüstung aus dem Auto und ab damit zum Check-In. Wettkampfrichter kontrollieren die Helme. Innerhalb der Wechselzone können wir unsere Plätze frei suchen. Wir entscheiden uns für Plätze nah am Radaufstieg.

„Erfahrene“ Triathleten beäugen uns teils interessiert, teils mitleidig. Die merken direkt, dass das unser erster ist. Machen wir auch keinen Hehl draus, sondern labern die anderen Starter und selbsternannten Profis an, gucken uns ab, wie die ihre Wechselzone einrichten. Nochmals orientieren. Wo ist der Wasserausstieg. Was sehe ich, wenn ich aus dem Wasser komme. Wo muss ich lang laufen um zu meinem Rad zu kommen. Ab wo darf ich aufsteigen. Wo muss ich nach der Radstrecke wieder absteigen. Was sehe ich dann. Wie ist der kürzeste Weg zu meiner Wechselzone. Wo geht’s auf die Laufstrecke. Alles klar. 

8:15. Wir schlüpfen in unsere Neos und gehen zum Schwimmstart an der Xantener Südsee. Der Fußweg dorthin lockere 500 m. Wir treffen 5 Minuten vor dem Start dort ein. Oh nee. Die Blase meldet sich. Mist. Also, schnell noch mal den Neo halb runter und in akrobatischer Haltung irgendwie pinkeln. 

Kurze Wettkampfbesprechung. Angeblich soll die Wassertemperatur 17 Grad betragen. Irgendeiner ruft: „Aber nur wenn ein Tauschsieder daneben ist!“ Wir ordnen uns hinten rechts ein. Brille auf. 8:30 Startschuss. Uhr abdrücken. Auf geht’s auf die 1,5 km lange >>[Schwimmstrecke]. Das Wasser brodelt und spritzt. Überall Füsse und Hände. Es ist saukalt. Die Kälte verschlägt einem den Atem. Ruhig bleiben. Orientieren. Schwimm-Rhythmus finden. Und gleichmäßig ziehen. Das Wasser ist algig grün. Sichtweite nach vorn maximal 1,5 Meter. Jetzt nicht die Nerven verlieren. Der Schädel pocht. Weiter ziehen bis zur Brücke, dem Nadelöhr der Schwimmstrecke. Rolf ist direkt neben mir. Wir ziehen an mehreren Schwimmern vorbei. Alles ist bislang gut gegangen. Im Startgetümmel hab ich keinen Tritt oder Schlag abbekommen. Meine Strategie: so schnell wie möglich ans Seil schwimmen, das die Schwimmstrecke bis zum Wendepunkt der Länge nach teilt und als Orientierung nutzen. Und dann immer am Seil entlang. Kein Zeitgefühl mehr. Kein Gefühl für die Distanz. Kein Gefühl für die Platzierung. Alleine. Sehe keinen Schwimmer. Am Wendepunkt endlich noch mal Füsse und Hände im Wasser schemenhaft erkennbar. Ich bin doch nicht allein. Mehr als die Hälfte hab ich jetzt. Weiter ziehen. Zurück bis zum Schwimmausstieg. Immer der Leine entlang. Ab dem Wendepunkt hab ich Probleme die Schwimmrichtung zu halten. Ich drifte irgendwie immer links ab. Was ist los? Nach jedem fünften Zug muss ich den Kopf vorwärts heben um nicht völlig von der Bahn zu kommen und im Nirwana zu stranden. Links ziehe ich an einen „Orca-Neo“ bis auf Hüfthöhe ran und nutze ihn auf den letzten Metern als Personal Guide. Hoffentlich weiß der wo wir hin müssen. Das Wasser vor mir schäumt. Ufer erreicht. Mein Program läuft ab. „Du schwimmst solange bis du mit den Händen bequem den Boden erreichen kannst!“ Der Schwimmausstieg klappt prima. Ich komm gut aus dem Wasser. 

 

Die Uferböschung hoch. Der Kopf dröhnt. Ich suche die Kordel, mit der ich den Neo öffnen kann. Wo ist das Biest. Endlich. Neo auf und schnell bis zu Hüfte runter. Dann über die Zeiterfassungs-Matte. Erster Blick auf die Pulsuhr. Puls 180 (90% HFmax.), 30:30. Astrein. Aufatmen. Durchatmen. Kurzer Lauf zu meiner Wechselzone. Rolfs Rad und das einiger anderer Starter stehen noch zur Abholung bereit. Rolf ist ein stärkerer Schwimmer. Wo ist Rolf? Wieso bin ich vor ihm raus? Was ist passiert? Die rechte Wade droht zu verkrampfen. Gleichgewichtsprobleme. Neo von den Beinen zerren. „Kopf abtrocknen!“. Ich befolge Mickys Tipp. Schnell mit dem Handtuch auch noch den Rest abrubbeln. Windbreaker Weste anziehen. Ich setz mich auf den Hintern. Linke Socke. Rechte Socke. Radschuhe an. Helm. Brille. Startnummernband. 

Und ab mit dem Rad zum Radstart. Kanalblick. Irgendjemand ruft mir zu. Ich erkenne Barbara unter den Zuschauern. Aufmunterung. Radaufstieg. Ich knall fast direkt wieder rechts runter. Finde mein Gleichgewicht nicht. Nochmal drauf. Ich eier dem Absperrgitter entgegen. Das gibt’s doch nicht. Irgendwie schaffe ich’s das Rad auf der Piste zu halten und nicht runterzuknallen. Treten. Treten. Treten. Speed aufnehmen. Konzentrieren. Ich bin auf der Strecke. Puls 178. Trittfrequenz 100. Kette rechts. Durchatmen. Jetzt den Puls runter bringen und gleichmäßig kurbeln. Die >>[Radstrecke] zieht sich über 42 km in 5 Runden zwischen Vynen und Lüttingen. Bis zum ersten Wendepunkt Gegenwind. Tempo so um die 28/29. Egal. Bobbys Programm abrufen. „Mit gleichförmiger Belastung fahren. Gegen den Wind oder bergauf Tempo runter nehmen. Mit dem Wind oder bergab volle Kanne.“ Puls 175. Wenden. Und mit dem Wind volle Kanne. Das Tempo klettert mit Wind auf 35/36. Nach knapp einer Runde entdecke ich Rolf auf der anderen Straßenseite. Er pedaliert locker. Prima. Nix passiert. Rolf ist noch dabei. Der Puls fällt auf der Radstrecke. Puls 162 (80%) ist mein Zielpuls. Nach drei Runden (25 km) hab ich ihn endlich erreicht. Jetzt kann ich auch gegen den Wind etwas mehr Druck machen. An mir ziehen die Rad-Spezialisten mit sonorem voooom-vooom der Voll-Carbon-Räder vorbei. Schenkel wie Tempelsäulen. Ich kassiere auch. Überrunde einzelne Starter. Rita und Barbara stehen an der Strecke und feuern an. Astrein. Das tut gut. Letzte Wende und abbiegen in den Wechselzonen-Bereich bis zum Balken. Abstieg. Der Radtacho zeigt eine zurückgelegte Distanz von 43,6 km an. Hä? Wieso das denn? Später stellte sich heraus, das auch Rolfs Tacho die gleiche Distanz anzeigte. Zufall oder ein wenig ungenaue Beschreibung der Wettkampfdistanz? Egal. Auf den Radschuhen bis zu meiner Zone laufen. Rad abstellen. Helm ab, Brille ab. Radschuhe aus. Laufschuhe an. Bereitgelegte Getränkeflasche greifen und ab die Post. 

 

Die >>[Laufstrecke] führt auf zwei Runden immer entlang der Xantener Förde. Meine Beine sind schon bei km 2 (Wendepunkt „Wilde Sau“) locker. Jetzt überhole ich die Tempelsäulen, die ohne ihre High-Tech-Teile auf der Laufstrecke z.T. ganz schön blass aussehen. Und noch einen und noch einen. Zieh locker an dem Typ vorbei, der uns heute morgen vor dem Start noch milde belächelt hat. Jetzt macht sich unser Grundlagenausdauer-Training bezahlt. Marathonis können länger! Die Laufstrecke ist öde flach. Keine Abwechslung. Keine Zuschauer. Langweilig. Ich passiere das erste Mal den Zielbereich und gehe auf die zweite Runde. Rita und Barbara feuern mich an. Puls 180. Ich hab noch Luft nach oben und gebe Gas. Rolf kommt mir auf der Laufstrecke entgegen. Wir klatschen uns ab. Letzter Wendepunkt. Noch 1,5 km bis ins Ziel. Dicht vor mir läuft ein junger Starter vom Deutschland-Cup. Den mache ich zum Fixpunkt. Und lasse nicht locker. Der muss noch ne Runde und ich biege ab in den Zielbereich. Und dann noch mal Gas geben. Ziel. Ziel. Ziel.
Ich bin im Ziel. 2:44.04. Eine Minute unter den vage gesetzten 2:45.

Mit 3:07 läuft Rolf ins Ziel. Ich empfange ihn wie versprochen mit nem Erdinger. Auch er hat sein Ziel erreicht und die angepeilten 3:15 unterschritten.

 

Schwimmen

(1,5 km)

Radfahren

(42 km)

Laufen

(10 km)

Gesamt

Rolf 00:35:39 01:39:47 00:52:01 03:07:27
Hans 00:30:30 01:28:24 00:45:09 02:44:04


Für Rolf und mich war Xanten ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu unserem ersten Triathlon über die IRONMAN-Distanz im nächsten Jahr in Roth. Zwischenziel erreicht. Und jetzt geht’s 10 Monate an das Training für die Langdistanz. 

Roth – wir kommen! 

 

Liebe Grüsse

 

Hans

P.S.: An dieser Stelle nochmal einen besonderen Dank an alle, die uns vor und während unseres Triathlon-Debüts so toll unterstützt haben. 

 

>> 10.09.2007