Feldtest und

weiterführende Leistungsdiagnostik.

 

Die Bestimmung der maximalen Herzfrequenz ist der Dreh- und Angelpunkt der Trainingssteuerung und Wettkampfstrategie. Wendet deshalb größte Sorgfalt und Genauigkeit bei der Durchführung des Tests auf. Nicht exakte Testergebnisse führen zu einer Über- oder Unterforderung im Training. Weitere Testläufe und die Wettkampfstrategie basieren auf diesen Messdaten. Gebt euch deshalb große Mühe und wiederholt den Test gegebenenfalls, um größere Sicherheit und eine höhere Messgenauigkeit zu erzielen. Die Mühe lohnt sich, denn sie dient dem Gelingen eures Vorhabens. Nur eine zuverlässig bestimmte maximale Herzfrequenz lässt 

  • eine erfolgreiche Umsetzung der Trainingspläne,

  • eine realistische Gestaltung des Testlaufs vor dem Wettkampf,

  • eine auf dem Testlauf basierende grobe Prognose eurer Marathonzeit und

  • eine sinnvolle Planung eurer Rennstrategie zu. 

Man kann die altersbezogene maximale Herzfrequenz (Hf max.) mit der Faustformel 220 minus Lebensalter grob schätzen. Meist liegt die individuelle Hf max. aber höher.

 

Beim Feldtest wird die individuelle maximale Herzfrequenz bestimmt. Es gibt hier verschiedene Methoden, die unterschiedliche Ziele verfolgen und teilweise kompliziert in der Ausführung sind. Ein einfaches Testverfahren, das ihr bequem ohne Hilfestellung durchführen könnt, kennt ihr und habt es in den letzten Tagen zum wiederholten Male durchgeführt.

 

Die Testwiederholung ist sinnvoll, um die Testergebnisse abzusichern. Häufig ergibt sich bei noch nicht lange ambitioniert Trainierenden durch die erhöhte Belastbarkeit nach zwei Monaten strukturierter Trainingsarbeit auch eine höhere Tempohärte, die eine stärkere Ausbelastung zulässt. Hierdurch findet sich im Wiederholungstest manchmal eine um 5 bis 10 Pulsschläge höhere Hf max.. Eine einmal gut ausgetestet Hf max. bleibt meist über Jahre stabil und bietet eine valide Grundlage zur Berechnung Ihrer Trainingsbereiche.

Vergesst jetzt bitte nicht Eure Trainingsbereiche nach dem zweiten Test neu zu berechnen und kontrolliert Euch im GA1! Nicht, dass Ihr in Euren alten Trott verfallt und Euch versehentlich unterfordert.

 

Und was ist mit weiterführender Leistungsdiagnostik?

Im Spitzen- und Hochleistungssport gibt es noch weitere Methoden der Leistungsdiagnostik. Zu nennen sind hier insbesondere die Spiroergometrie, den Laktat-Stufentest und multifaktorielle Leistungsdiagnostik.

Anhand des Laktat-Wertes (das Salz der Milchsäure) im Blut wird festgestellt, ob während der Belastung im Muskel ein Gleichgewicht zwischen Sauerstoff-Zufuhr und -Verbrauch bestanden hat (Laktat bis 2). Überschreitet die muskuläre Belastung dieses Gleichgewicht, geht der Stoffwechsel eine so genannte Sauerstoffschuld ein. Die Glukose wird ohne Sauerstoff nur unvollständig bis zur Milchsäure abgebaut. Diese häuft sich an, der Laktat-Spiegel steigt und blockiert nach und nach die Energiebereitstellung im Stoffwechsel. Die Sauerstoffschuld muss nach der Belastung wieder nachgeatmet werden. Dieses Phänomen kennt jeder Sportler, wenn er nach einer extremen Belastung außer Atem ist.

Um die Anforderungen zur praktischen Nutzung der Leistungsdiagnostik zu erfüllen, benötigt man eine andere und komplexere Untersuchungsform. Diese muss sportartspezifisch durchgeführt werden. Eine Fahrradergometer-Belastung ist für einen Läufer genauso wenig zur Trainingssteuerung geeignet, wie eine
Laufband-Ergometrie für einen Rennradfahrer. Eine Leistungsdiagnostik für Marathonläufer sollte also nicht auf dem Rad, sondern laufend in Form eines Feldtests oder auf einem Laufband z. B. mit Hilfe einer Spiroergometrie durchgeführt werden. Bei der Spiroergometrie werden die energieliefernden Prozesse in Bezug auf Leistung und Dauer, maximale Sauerstoff-Aufnahme (VO
2 max.) und CO2-Anteil der ausgeatmeten Luft und die daraus errechneten Anteile der Kohlehydrat- und Fettverbrennung mit erfasst. Leider sind die Ergebnisse laut Prof. Herrmann Heck bei Laktatstufentests mit einem mittleren Fehler von 15% Abweichung behaftet.Wirklich seriöse Aussagen über den Leistungsstand und Hinweise zur Trainings-Gestaltung können genauer nach multifaktoriellen Leistungsanalysen gemacht werden, in denen neben den oben genannten Messwerten wie VO2 max, Fettverbrennung, anaerobe Schwelle und Geschwindigkeit des Laktatanstiegs auch der Fettanteil, der Laktatabbau, die Laufökonomie, die Stoffwechselkinetik, die Beschleunigung und die maximale Leistung mit einbezogen werden.

Für den durchschnittlichen Marathonläufer im Freizeit- und Breitensportbereich sind diese Untersuchungen aber nicht zwingend erforderlich. Ein regelmäßig durchgeführter Feldtest und die dem entsprechende Anpassung der aktuellen Trainingsbereiche an die maximale Herzfrequenz erscheint mir persönlich ausreichend und angemessen.

Interessant ist die Leistungsdiagnostik sicherlich für Marathon-Läufer mit Endzeiten unter 2:30 Stunden. Auch Breitensportler, die frequenzmodulierende Medikamente nehmen z.B. Beta-Blocker, sollten zur genaueren Festlegung ihrer Puls-orientierten Trainings-Bereiche eine solche Untersuchung durchführen lassen. Eine alleinige Messung der Laktat-Werte ist aber kaum aussagekräftig und stößt schnell an ihre Grenzen im Sinne einer nutzbaren Umsetzung der Trainings-Steuerung im Alltag des Breitensportlers. Die Pulsvorgaben, die sich aus der Interpretation eines Laktat-Stufentests ergeben,

 

  • sind statistisch betrachtet mit einem ähnlichen Fehler behaftet wie jene, die Fitnesssportler mit der verbreiteten Faustformel „220 minus Lebensalter“ errechnen, sagt Sebastian Weber, Cheftrainer des T-Mobile Teams in „triathlon“ 52/2007.

  • Weiter heisst es in dem Artikel, „dass es zur Zeit noch kein einziges wissenschaftlich überprüftes Testprotokoll für Frauen gibt und dass

  • Leistungsprognosen auf der Grundlage von mehr als 600 Laktatstufentests bei Weltklasseathleten nur in einem Viertel der Fälle eine Übereinstimmung mit den Wettkampfergebnissen ergab.

  • Laktatwerte können sinken, ohne dass sich die aerobe Leistung verbessert, denn bei Läufern kann allein eine technische Laufstilschulung zu ganz erheblichen Leistunssteigerungen führen, ohne dass sich die Ausdauerleistungsfähigkeit des Organismus erhöht haben muss.“ (Zitat Ende)

Zusammenfassend betrachtet haben wir mit dem Feldtest für die Läufer im
Projekt eine

  • zweckmäßige und für unsere Ziele ausreichend zuverlässige Messmethode entwickelt,

  • ihr Aufwand ist minimal,

  • sie ist individuell selbstständig jeder Zeit reproduzierbar,

  • sie steht aufwändigeren Laktattests in der Genauigkeit und Aussagekraft in Nichts nach und

  • sie ist kostengünstiger.

 

Dann lauft mal schön

Euer Micky

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>> 07.01.2007