Total platt - oder:

Warum die anderen immer schneller werden.

Mit den ersten langen Läufen ab der 25 km Marke erreichen wir einen Trainingsumfang, der uns noch einmal ganz besonders herausfordert. 

In den zurückliegenden Wochen unseres Projekts haben wir unsere langen FSW-Läufe in organisierten Tempogruppen absolviert und dort interessante Leute kennen gelernt, neue Freundschaften geschlossen und vor allem jede Menge Spaß gehabt. Nicht wenige empfinden das gemeinsame Training am Wochenende vielleicht sogar als Highlight des Marathon-Projekts. 

Mit jedem gesammelten Trainings-Kilometer haben wir uns weiterentwickelt. Sind bei gleich bleibender Belastung ausdauernder und schneller geworden. Können also bei gleichem Puls im Training jetzt schneller und weiter laufen. Genau das ist ja auch das Ziel eines systematischen, pulsorientierten Ausdauer-Trainings.

 

Aber jetzt kommt der Haken: Die einen entwickeln sich schneller, die anderen langsamer. Und zwar bei gleichen Trainingsumfängen. Warum? 

 

Weil wir alle unterschiedlich sind und unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen: 

  • Die einen sind jünger, die anderen sind älter. 

  • Die einen sind dünner, die anderen ein wenig dicker.

  • Die einen haben mehr Ausdauer-Talent, die anderen weniger.

  • Die einen haben mehr Entwicklungs-Potenzial, die anderen weniger

Um wie viel höher ist das zu erschließende läuferische Potenzial bei einem jungen, dünnen und talentierten  Marathon-Novizen gegenüber einem normal talentierten, älteren  "Ausdauer-Hasen" mit gepflegtem Bäuchlein, der seit Jahren pulsorientiert die lange Strecke trainiert. Der Marathon-Novize wird vielleicht ganz erhebliche persönliche Leistungssteigerungen erleben. Der alte Hase vielleicht nur relativ geringe Leistungszuwächse - die für ihn aber immer noch einen super Erfolg darstellen. Egal wie. Beide entwickeln sich weiter.  

 

Beispiel: Leitungssteigerung [min/km] bei gleichem Training.

Läufer 1: Laufanfänger, jung, stark talentiert

Läufer 2: älterer, erfahrener Ausdauersportler, normal talentiert  

 

Übrigens: Verschärft wird dieser ganze Effekt noch in den gemeinsamen Trainings-Tempogruppen und den längeren FSW-Distanzen. Zu Projekt-Beginn wurden in den Tempogruppen unterschiedliche läuferische Ausgangs-Potenziale zusammengefasst. Die einen lagen am unteren Ende des FSW-Bereichs, die anderen am oberen. Mit steigenden FSW-Umfängen setzt die damit einhergehende Ermüdung jetzt insbesondere den Läufern des oberen FSW-Bereichs zu. 

 

Unsere aktuelle Herausforderung liegt jetzt im erneuten persönlichen Überdenken der eigenen, weiterentwickelten Leistungsfähigkeit und einer neuen realistischen Selbsteinschätzung. 

 

Konkret

Wenn ich merke, dass ich mich super entwickelt habe und 

  • mich meine bisherige Tempo-Gruppe total unterfordert, 

  • ich stets noch locker beschleunigen kann, ohne aus den FSW-Grenzen zu knallen

  • ich meine Mitläufer maximal nerve, weil ich stets versuche, das Tempo zu verschärfen

dann sollte ich vielleicht mal austesten, ob nicht die schnellere Gruppe für mich die passendere ist. 

 

Merke ich hingegen, 

  • dass ich mich bei den Läufen in den Tempogruppen stets überfordere, 

  • schon ab der Hälfte der Distanz aus meinem FSW-Bereich herausschiesse, 

  • die letzten Trainingskilometer mit schweren Beinen nicht Enden wollen, 

  • die letzten Kilometer einer FSW-Einheit gefühlt immer schneller werden, obwohl sie objektiv bei gleichem Tempo gelaufen wurden

  • ich nach den FSW-Läufen total platt bin

ist es dringend an der Zeit, mich einer langsameren Gruppe anzuschliessen.

 

Und zwar ganz egal, ob der oder die neue Lauffreund(in) den Wechsel mitmacht und wieviel Spaß ich in meiner alten Gruppe hatte. Und seid Euch sicher: In den anderen Laufgruppen sind auch nette Leute und die Trainings-Freude wird steigen, wenn man sich weder unter- noch überfordert.

 

 

(Hans Schümmer) 

     

 

 >> [weitere Trainings-Tipps]

 

 

 

 

.